Samstag, 16. November 2013
Immigration Office
Am Montag, 12. November, ging ich mit Jennifer zum Immigration Office, um mich umzumelden. Bereits in meiner ersten Woche hatten wir uns an einem Tag im Büro getroffen und sind nach dem ersten Mail-Check nach Shinjuku gefahren, um mich anzumelden.
Da ich im Stadtteil Shinjuku wohne, muss ich mich hier auch anmelden. Bei der Einreise habe ich eine Resident Card bekommen. Auf deren Rückseite muss meine Adresse (incl. Zimmernummer) vermerkt werden. Zum Anmelden hat man 14 Tage Zeit. Da ich ja in ein anderes Zimmer gezogen bin, musste ich erneut zum Ward Office, um die Zimmernummer ändern zu lassen. Jennifer hat mich wie beim ersten Mal begleitet. Damals wollten wir auch noch klären, was ich tun muss, um im Dezember wieder in Japan einreisen zu können, also eine re-entry permit beantragen. Ohne Jennifer wäre ich aufgeschmissen gewesen, denn mit Englisch kamen wir kein Stück weiter – und das im Immigration Bureau.
Bevor man an einen Schalter kam, wurde man von einem Mitarbeiter in Warnweste abgefangen, mit dem man sein Anliegen vortragen konnte. Erst wenn man dann alle nötigen Unterlagen beisammen und Zettel ausgefüllt hatte, bekam man von ihm eine Wartenummer. Nun wussten wir nicht, dass sich die Regelung um den re-entry 2012 geändert hatten. Das wusste unser Freund mit der orangen Weste aber anscheinend auch nicht, denn er verstand absolut nicht, was wir wollten.
Einiges googeln und einen Anruf bei einer anderen Behörde später wussten wir um die Änderung und hatten herausgefunden, dass ich hier bei der Ausreise am Flughafen aufpassen muss, auf einem Formular ein Kreuz bei re-entry zu machen. Das kann ja noch heiter werden.
Das Anmelden selbst war dann weniger problematisch. Ich füllte einen Zettel aus, auf dem sogar englische Untertitel waren und mit Jennifers Hilfe erhielt ich am Ende des Prozederes die Resident Card mit meiner Adresse versehen zurück.
Es war interessant, den Unterschied zum ersten Besuch wahrzunehmen. Die erste Veränderung bemerkte ich bereits beim Bahnfahren. Wir fuhren mit der Metro nach Ikebukuro, stiegen dort in eine JR Line nach Shinjuku um. Während ich mich beim ersten Mal total verloren fühlte, das Gefühl hatte, in diesem „Bahnslalom“ ständig jemandem vor die Füße zu laufen und Mühe hatte, mit Jennifer Schritt zu halten, wusste ich dieses Mal zwar auch nicht, wo wir genau hin bzw. welchen Ausgang wir nehmen mussten, aber ich konnte mich fließender in der Menge fortbewegen.
Etwas Aufregung herrschte dann beim Einstieg in die 2. Bahn. Als die Bahn hielt, sahen wir, dass innen ein Mann in Fötushaltung auf dem Boden lag. Ein Mann war bei ihm und über ihn gebeugt, sprang aber aus der Bahn sobald sie hielt. Wir stiegen zunächst unsicher ein. Was war passiert? Ich beobachtete die Japaner. Warum half ihm niemand, warum kümmerte sich niemand um ihn, wie es der Mann getan hatte, der dann ausstieg? Erst fand ich es etwas befremdlich, dass es dem Mann wichtiger schien, seine Haltestelle nicht zu verpassen und den Mann zurück zu lassen, im Nachhinein denke ich, dass er das Bahnpersonal geholt hat. Ich schaute zu Jennifer, die auch etwas ratlos war. Jennifers Reaktion ließ mich vermuten, dass auch sie soetwas noch nicht erlebt hat, wobei sie mir später erzählte, dass es besonders Samstag und Sonntag früh in den Bahnen um Shinjuku, Shibuya und Ikebukuro gerne mal etwas unappetitlich zugeht nachdem die Nacht durchgefeiert wurde.
Wir stellten fest, dass der Mann am Boden atmete, was uns zunächst beruhigte. Weitere Leute stiegen in die Bahn und niemand schien sich zu kümmern. Ich hatte keine Ahnung, wie ich mich verhalten sollte. Wäre es ok gewesen, ihn anzufassen, wachzurütteln? Was ist jedoch wenn er gesprochen hätte, ich könnte ihn nicht verstehen? So sehr die Japaner ihren personal space respektieren, war das nicht eine Ausnahmesituation? Ja, war es das wirklich oder erlebten sie sowas öfter? Japaner schlafen grundsätzlich viel zu wenig (bin ich etwa auch einer?), sodass sie z.B. in der Bahn in wenigen Sekunden einschlafen können. Ich habe schon Leute an Haltestellen aufwachen und rausspringen sehen. Keine Ahnung, wie die wissen, wann sie aussteigen müssen.
Ich war heilfroh als nach scheinbar endloser Zeit das Bahnpersonal kam. Eine Frau in Uniform und den berühmten weißen Handschuhen beugte sich über den Schlafenden und versuchte, ihn wachzurütteln. Währenddessen redete sie mit ihm. Ich hatte auf einmal ein Deja vu zum Flug nach Helsinki als der Mann in der ersten Reihe bewusstlos wurde. Der Mann in der Bahn wollte einfach nicht aufwachen. Sie schüttelte ihn wieder. Ein weiterer Bahnmitarbeiter kam hinzu. Es hat unglaublich lange gedauert bis ganz plötzlich der Mann aufwachte und sich auch gleich aufsetzte. Er schien etwas verwirrt zu sein, so viele Menschen um sich herum zu haben (oder aber auf dem Boden einer Bahn zu sitzen?). Die beiden Bahnmitarbeiter versuchten, ihm beim Aufstehen zu helfen, doch er war nicht gerade ein kleines Persönchen, sodass es sie einige Kraft kostete. Sie begleiteten den Mann nach draußen und redeten weiter mit ihm. Mehr sah ich nicht, da die Bahn sich dann in Bewegung setzte.
Ich glaube nicht, dass er bewusstlos war. Als er so auf dem Bahnsteig stand, schien er mir einfach sehr müde und es sah so aus als wäre er einfach nur aus einem sehr sehr sehr tiefen Schlaf aufgewacht und würde am liebsten einfach nur weiter schlafen (egal wo).
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