Samstag, 26. Oktober 2013

Erdbeben der Stärke 7,3

Wenn ich erzählte, dass ich nach Japan gehen werden, hörte ich normalerweise 3 Dinge: Strahlen, volle UBahnen und Erdbeben. Was wurden mir nicht vor Abflug alles an "Statistiken" zur Beruhigung geboten - da war doch gerade ein heftiger Typhoon, da war doch gerade ein Erdbeben, da war doch gerade ein Tsnuami. Das ist unwahrscheinlich, dass das so schnell wieder passiert, Japan ist erstmal nicht dran.

Letzte Nacht chattete ich gerade mit Nico, der mir bei ein paar HTML-Spielereien für den Blog half (Danke <3). Es war kurz vor 2 Uhr nachts, u.a. der JetLag und das Verarbeiten der vielen Eindrücke ließen mich immer noch nicht schlafen. Ich hatte gerade um kurz nach 2:00 Uhr den letzten bearbeiteten Eintrag gepostet und wollte dann dieses "Schlafen" ausprobieren als zunächst nur leicht das Bett wackelte. Erst dachte ich, ich bilde es mir ein, doch dann wurde es stärker und auch der Fernseher begann sich zu bewegen (der ist am Schrank festgeschraubt. Ich dachte nur, damit man ihn nicht woanders hinstellt, aber wohl eher damit er bei Erdbeben nicht umfällt...).
Nachdem klar war, das ich mir das nicht einbilde, dachte ich zunächst, der Typhoon sei nun in Tokyo angekommen und der Wind würde auf das Gebäude treffen. Dann fragte ich mich, warum das Haus soo instabil war, dass es bei ein bisschen Wind gleich zu wanken begann. Inzwischen war klar, dass es sich um ein Erdbeben handelte. Meldungen bei Twitter bestätigten das.

Das Erdbeben war 475km entfernt von Tokyo, draußen im Meer im 10km Tiefe, etwa auf Höhe Fukushimas, und wurde inzwischen auf 7,3 gestuft (das Erdbeben vor 2 Jahren hatte 9,0). Es war selbst in dieser Entfernung sehr deutlich zu spüren und ungewöhnlich lang. Im Fernsehen kamen Bilder von Überwachungskameras, die mit Timestamp das Wackeln aufzeichneten. Es war über eine ganze Minute lang. Eine lange Minute. Es war sehr beängstigend, weil es einfach nicht aufzuhören schien.
Liebe deutsche Journalisten - wenn ich lese "es war in Tokyo leicht zu spüren", denke ich mir WIE BITTE?! Wo war denn das leicht? Eine Minute lang hat ALLES gewackelt. In 500km Entfernung vom Epizentrum! Dass es in Deutschland nur "leicht" (bis gar nicht) gewackelt hat, is wohl klar.

Dass ich in 3,5 Monaten ein Erdbeben erleben würde, war sehr wahrscheinlich. Aber dass es gleich in der ersten Woche das stärkste seit dem Unglückserdbeben 2011 geben würde, war nicht abgemacht!
Dass ein Typhoon kommen sollte, ist ausgerechnet an diesem Wochenende doofes Timing. Aber dann noch ein Erdbeben und kurz darauf eine Tsnumaniwarnung? Ernsthaft? Was kommt denn als nächstes?
Fukushima wurde daraufhin evakuiert. Angeblich soll es keine Schäden gegeben haben, aber Tepco war in der Vergangenheit ja nicht immer gerade ehrlich mit seinen Aussagen zum Stand der Anlage, weshalb wohl erst die Meldungen der nächsten Tage zeigen werden, was wirklich passiert ist, und in wie weit sich der Regen des Typhoons auswirkt.
Die Wellen, die dann etwa ein bis eineinhalb Stunden später auf Fukushima trafen, wurden laut Japanischem TV mit 40cm gemessen. Es wurden Live-Bilder aus Fukushima gezeigt und eine Pressekonferenz - ebenfalls live, nachts um 4 Uhr - der Japanese Meteorological Agency (Wetterbehörde) gehalten. Ich verstand nur leider nichts. Bei den Tsnuamiwellen konnte ich lediglich Uhrzeit und Höhe erkennen.

Tsunami waves hitting FukushimaPress conference of Japanese Meteorological Agency at 4am

Ein paar Links:
Artikel bei ntv http://www.n-tv.de/panorama/Erbeben-bei-Fukushima-geht-wohl-glimpflich-aus-article11611901.html
Artikel bei ARD http://www.tagesschau.de/ausland/erdbeben652.html
Meldung bei der Japanischen Meteorological Agency http://www.jma.go.jp/en/quake/20131026021726393-260210.html


Da soll man wegen des Typhoons im Gebäude bleiben und dann wackelt dort alles. Rausgehen geht nicht, drinnen bleiben ist beängstigend. Inzwischen kommen Meldungen von möglichen Nachbeben. Ich habe nun Angst, dass es jeden Moment wieder wackelt. Wann geht der nächste Flieger zurück? :-( Ich vermisse dich.

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