Ich hatte am Vortag bereits den Ticketautomaten so weit bedient bis man bezahlen musste. Ich konnte die Sprache auf Englisch wechseln und wusste von der japanischen Kollegin, dass ich ein 160-Yen-Ticket lösen musste. Es ist leider nicht wie in Deutschland, wo man hier Start und Ziel eingeben kann und er einem das richtige Ticket anzeigt. Für 1,20 Euro fuhr ich also zur Arbeit.
Mit dem Ticket geht man dann zum Eingang, wo man es an einer Schranke eingibt, daraufhin durchgehen kann. Das Ticket kommt am anderen Ende der Schranke wieder raus und man muss es mitnehmen. Ich wusste, dass ich die Namboku-Line bis Iidabashi nehmen musste.
Hier findet ihr eine Übersicht des Tokyo Metro Systems. http://www.tokyometro.jp/en/subwaymap/pdf/routemap_en.pdf Um die Yotsuya-Station zu finden, sucht den großen schwarzen Schriftzug "Shinjuku" (dieses Stadtviertel) und geht 4 Stationen gerade rechts rüber. Nach zwei Haltestellen ist man in Iidabashi (nordöstlich von Yotsuya), wo ich dann auf die Yurakucho-Line wechseln musste, um weitere 2 Haltestellen nach Gokokuji (nordwestlich von Iidabashi) zu fahren.
Ich folge ziemlich lang den Schildern Richtung Namboku. Die Haltestellen sind alle numeriert und beginnen mit einem N (bzw. Y für Yurakucho). Das System ist eigentlich ziemlich clever und gut zu verstehen. An einem Gleis fährt auch nur die eine Line, nicht wie in Deutschland, wo an einer Haltestelle UBahn 3, 7 und 8 fahren und man noch schauen muss, dass man in die richtige Bahn und die richtige Richtung steigt.
Ich kam endlich am Gleis an und glaubte richtig zu sein. Ich stieg in die Bahn und fuhr 2 Stationen. Während der Fahrt freute ich mich, dass sie überhaupt nicht voll war. Ich hatte zwar keinen Sitzplatz, aber es war weder voll noch hatte ich bis dahin einen Mann mit weißen Handschuhen gesehen. Mir wurden ja im Vorfeld genug Horrorstorys von zu vollen Bahnen erzählt.
Beim Umsteigen in Iidabashi folgte ich nun nicht mehr dem eingekreisten N, sondern dem Y. Hier war schon deutlich mehr Gewusel an der Station als in Yotsuya. In Japan herrscht Linksverkehr, man steht auch auf der Rolltreppe links und geht links die Treppe hinunter/hoch. Das ist noch etwas gewöhnungsbedürftig, vor allem, weil ich das Gefühl habe, dass auf den Gehwegen diesem System nicht gefolgt wird und ich ständig jemandem vor die Füße laufe.
Als ich mich der Yurakucho-Line näherte, schaute ich noch auf eine große Tafel, wo die Haltestellen (incl. Nummern) aufgezeichnet waren. Ich fand Gokokuji und dachte, ich muss auf die linke Gleisseite. Da ich ja spät dran war, eilte ich weiter die Treppe hinunter, wollte gerade noch in die Bahn springen als die Türen vor mir schlossen. Was ein Glück, denn beim Warten auf die nächste Bahn stellte ich fest, dass ich auf der falschen Seite war. Erst etwas ungläubig, wie kurz ich eigentlich davor war, in die falsche Bahn zu springen, ersetzte Erleichterung ziemlich schnell den Ärger, die Bahn verpasst zu haben. Hier sah ich das erste Mal einen Mann mit weißen Handschuhen, der aber keine Anstalten machte, Leute in die Bahn zu schieben... Mit der richtigen Bahn ging es dann zur Gokokuji-Station. Wieder war die Bahn überschaubar voll. Für die letzte Station hatte ich sogar einen Sitzpatz.
Beim Verlassen der Bahnstation muss man wieder sein Ticket scannen, das dann aber einbehalten wird und man die Station verlassen kann. Vorm Ausgang gibt es noch "Fare Adjustment" Automaten, an denen man nachzahlen kann. Wie genau das funktioniert, weiß ich aber nicht.
Es war 8:39 Uhr als ich ankam. Ich hatte mir gemerkt, dass ich Sachi an "Gate 8" treffen würde. Ich lief also Richtung der Ausgänge, um festzustellen, dass es aber nur 1-6 gab. Wo sollte ich denn die 8 finden? Also lief ich erst einmal Richtung 6 - das war immerhin am dichtesten an einer 8 :x Als dann aber nochmal ein Abzweig kam, zog ich den email-Ausdruck aus dem Rucksack, auf dem stand "gate 3". Ups. Also schnell zu Exit 3. Ich erinnerte mich, dass ein Kollege sagte, man muss sich auch immer an einem Ausgang verabreden, sonst findet man sich nicht. Diese Station ist unterirdisch so in die Länge gezogen mit in diesem Fall 6 Ausgängen. Hier würde man sich nicht mehr finden.
An Exit 3 angekommen, wartete zunächst niemand. Ich wusste nicht, wie Sachi aussieht, dachte mir aber, sie wird mich wohl schon erkennen. Sie hatte für den Visumantrag ein Foto von mir und ich fall ja nunmal auch auf wie ein bunter Hund. Ein paar Minuten später kam sie auch aus der UBahn und wir gingen zusammen zum Büro. Alleine hätte ich das nie gefunden, denn draußen steht kein Schild bzw. kein für mich lesbares...
Etwas nach 18 Uhr ging die Reise zurück zum Hotel. Mir wurde gesagt, dass es abends tendenziell voller ist, also machte ich mich darauf gefasst, nun endlich volle UBahnen zu sehen. Weit gefehlt. Es schien wie verhext. Beide Bahnen waren so leer, dass ich beide Male bequem einen Sitzplatz fand. Da ich nicht so in Eile war, konnte ich auch beim Umsteigen in Ruhe auf die Tafeln schauen und die richtige Gleisseite wählen. (und beim Warten ein paar Fotos machen)
| Track 6, Namboku-Line - this side drives to stations between N1 and N9 |
| Looks like an empty station but it was just lucky timing that no one walked into the picture |
| On the Namboku-Line going back to the hotel |
Alles in allem waren die Bahnfahrten DEUTLICH angenehmer als erwartet. Ich nehme nicht an, dass es jeden Tag so sein wird und ich wahrscheinlich Glück mit den Uhrzeiten hatte, aber letztendlich lief alles prima und ich habe nicht mehr so große Angst vor dem Bahnfahren hier.
Liebe Anne, sehr spannend zu lesen :) Deine ersten Einträge zu den Flügen waren gestern meine Gute-Nacht-Geschichten und als ich grad den Laptop aufgeschlagen habe, war ich überrascht wie viel neue Einträge da sind! Hört sich alles sehr interessant an und ich bin gespannt was du weiterhin für tolle, lustige oder skurile Erfahrungen machst! Fühl dich gedrückt, Melli
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