Montag, 4. November 2013

Die verschwundene Post

Bisher habe ich wahrscheinlich noch die größten Fettnäpfchen ausgelassen. Doch würde ich wirklich wissen, wenn ich in eins trete? Nun ja, in den letzten Tagen sind mir 2 Ereignisse in Erinnerung geblieben:

Der Fahrstuhl
Über die Angewohnheit der Japaner, den Türen-schließen-Knopf zu drücken, hatte ich ja bereits geschrieben. Genauso benutzen sie aber auch oft den Knopf, um die Türen offen zu halten, um noch eine weitere Person in den Fahrstuhl zu lassen, die gerade angespurtet kommt.
Es war ein Arbeitstag letzte Woche, als ich zufällig Jennifer an der Bahn begegnete. Sie lief genau hinter mir die Treppe hoch. Einen kurzen Stop im convenience store später gingen wir plaudernd zum Büro. Die Firma sitzt auf der 1., 2. und 5. Etage. Die 3. und 4. Etage wird von anderen Firmen benutzt.
Als wir also auf den Fahrstuhl zuliefen, waren bereits eine Frau und ein Mann im Fahrstuhl. Die Frau hielt für uns den Fahrstuhl an und wir beeilten uns, hinein zu kommen.
Die Frau fuhr bis in die 4. Etage und stieg aus. Zuvor warf sie uns jedoch einen bösen Blick zu. Das hatte ich wahrgenommen, wusste jedoch überhaupt nicht, warum?! Jennifer erklärte es mir. Es ist unhöflich, im Fahrstuhl zu reden. Nun hatte sie schon extra für uns den Fahrstuhl angehalten und dann steigen wir ein und ich quassel los. Wahrscheinlich kam noch dazu, dass die gute Dame an dem Tag mit dem falschen Bein aufgestanden war. Auch wenn ich darauf in Zukunft mehr achten werde, fand ich's rückblickend amüsant. Die hat so grimmig geguckt haha
Ich frage mich, ob ein japanischer Business Plan den elevator pitch bestehen würde, wenn doch nicht gesprochen wird?! hihi

Die verschwundene Post
Die ersten Postkarten sind schon gekauft (wer außer den "üblichen Verdächtigen" noch eine Karte möchte, muss mir seine Adresse schicken), es fehlten aber noch Briefmarken. Ich wollte also zu einer Post und einen Vorrat kaufen, damit ich die Karten dann nur noch einstecken muss sobald sie geschrieben sind.
Dank Jennifers Hilfe komme ich nun mit der Postseite so weit zurecht, dass ich Filialen suchen und deren Öffnungsseiten lesen kann. (einige Seiten sind auf englisch, aber ausgerechnet die Filialsuche komplett auf japanisch).
Für einen Einblick in diesen ganz normalen Wahnsinn meines Alltags, klickt doch einfach mal hier, um zur Seite des Shibuya Post Office zu gelangen. In der Tabelle sind die Öffnungszeiten der verschiedenen Dienstleistungen angegeben. Die erste Zeile (rot) ist für mich relevant. Die Spalten zeigen dann wiederum Mo-Fr (9-21 Uhr), Sa, und Sonn- und Feiertag (je 9-19 Uhr) an. So wurschtel ich mich durch die Seite...

Als ich gestern in Shimbashi umstieg, zeigte ein Schild, dass in der Nähe eine Postfiliale sein würde. Ich kannte die Öffnugnszeiten nicht, aber dachte, ich versuche mal mein Glück. Ich fand nicht so recht den richtigen Zugang zum Gebäude, sodass ich in einem anderen Eingang die Security-Frau nach dem "Post Office" fragte. Sie sagte, die Post sei schon geschlossen. Ob ich einen ATM bräuchte? Ich weiß, dass (wie die Postbank) die Japanische Post auch Bankdienstleistungen bietet. Ich wollte ja aber wissen, wo die Post war. Hätte ich auf ihre Frage mit ja geantwortet, hätte sie mich zu einem Geldautomaten und nicht zur Post geschickt. Ich fragte also wieder nach der Post. Erneut verneint, einen ATM zu suchen. Ich erklärte ihr, dass ich ja dann nächste Woche zu dieser Post wolle. Daraufhin noch mehr Fragezeichen auf ihrem Gesicht. Sie zog einen Katalog mit Straßenkarten aus ihrem Tisch hervor, blätterte (ziellos?) darin rum. Irgendwann legte sie den Stadtplan weg und meinte "no post office around here". Huch? Wie? Es gibt hier keine Post? Aber sie steht doch überall auf den Schildern!?! Mir schoss zum Glück in den Kopf, dass mir Kollegen bereits vor Abreise von Situationen erzählt hatten, dass Japaner lieber weglaufen wenn sie nicht weiter wissen als das Gesicht zu verlieren. Die Frau war immerhin vom Sicherheitsdienst und konnte nicht einfach weglaufen. Ich biss mir also auf die Zunge, ihr zu erklären, dass ich nicht doof sei und sehr wohl wisse, dass hier irgendwo eine Post steckt, aber das hätte dann auch nichts gebracht, sodass ich mich mit einem "oh ok. Well, thank you." verabschiedete (und nicht weiter nach der Geisterpost suchte).

There should be a post office around here somewhere


Die gefundene Post
Die Öffnungszeiten der Post sind.... nun ja... bescheiden. Die meisten Filialen haben Mo-Fr 9-17 Uhr geöffnet. In der Nähe vom Hotel gibt es eine, die bis 18 Uhr geöffnet hat, aber das schaffe ich nicht, da ich etwa eine halbe Stunde von der Arbeit bis nach Yotsuya brauche. Es gibt ganz wenige Filialen, die in der Woche länger und dann auch noch Samstag/Sonn- und Feiertag geöffnet haben. In Schibuya hatte ich eine gefunden, die ich heute aufgesucht habe. Jetzt muss ich also nur noch die Karten schreiben.

In front of a Japanese post officeJapanese Stamps :-)

Letzte Woche beobachtete ich auf Arbeit Sachi, wie sie Briefe frankfierte. Sie klebte putzige Bärchenbriefmarken drauf. Als ich meinte, die seien ja süß (finden wahrscheinlich auch nur wir Mädels), zog sie eine ganze Mappe mit Briefmarken hervor und blätterte zu einer Seite mit Disney Briefmarken. Da sie weiß, dass ich Disney mag, zog sie folgenden Bogen zielstrebig hervor. Den gab's leider heute bei der Post nicht. Schade...
Disney stamps

2 Kommentare:

  1. Ich hoffe doch ich gehöre schon zu den "üblichen Verdächtigen"! Falls nicht: Ich will eine Karte!!!! :D

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    1. Keine Angst, Melli - du stehst natürlich längst auf der Liste ;-)

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